Special Events


Das Ende der Gewalt ist der Bodhisattva-Weg

 

Zu diesem Thema lud der Buddha-Talk am 23. September 2018 in den Räumen der Buddhistischen Gesellschaft Hamburg ein. Rednerin war Sylvia Wetzel aus Berlin. Wie Michael Zimmermann auf der letzten Buddhismus-Konferenz der Uni Hamburg sagte: „Ein Star am buddhistischen Himmel.“ Und das nicht zu Unrecht, denn Sylvia Wetzel wirkt und publiziert seit 40 Jahren in Deutschland für einen aufgeklärten und praktischen Buddhismus: eine Pionierin in Sachen Frauenbefreiung, Gleichberechtigung und Meditation im Alltag.

Von 1985 bis 1993 war sie auch Sprecherin der DBU, und bis heute ist sie Ehrenmitglied im Rat. Die studierte Politologin zitiert neben vielen zeitgenössischen Denkern auch gern ihr „Alter-Ego“ (Zitat S.W.) Hannah Arendt. Und so auch in diesem Vortrag über moderne Bodhisattvas, die in verschiedener Gestalt – und nicht nur als Buddhist*innen – ohne „Hybris“ (Selbstüberschätzung und Überheblichkeit) in unserer Zeit der komplexen Postmoderne gegen Verzweiflung, Gier, Hass und Verblendung wirken.

Doch statt nur gegen etwas zu sein, wie in den Studentenunruhen der 68er, die Sylvia als Studentin miterlebte, suchte sie immer danach, für etwas zu sein. Und das fand sie 1977 im indischen Dharamsala, dem ständigen Sitz der buddhistischen Exiltibeter: das Konzept des Mitgefühls für alle Wesen. Sylvia betont, dass es Menschen mit Mehrperspektivität, Verständnis und Muße bedarf, um Motive und die Komplexität unser Welt zu verstehen, Dialog zu fördern, zu sagen und zu tun, was heilt und hilft.

Sie zitiert Armin Nassehi, der von verteilter Intelligenz als Motor der Kreativität des Westen spricht – also sei es falsch, nur von der eigenen Perspektive auszugehen oder zu glauben jemand habe Recht, es gebe nur einen richtigen Ansatz. Vielmehr geht es um einen Ausgleich und Austausch zwischen unterschiedlichen Gruppen und Schichten der Gesellschaft und das dürfe man nicht nur von der Politik erwarten. Vielmehr spielt die humane und einschließende Zivilgesellschaft eine größere Rolle und das heißt: von unten nach oben, breit und mit allen.

Dabei betont Sylvia, dass trotz Krieg und Terror, die uns Angst machen, übersehen wird: von den circa 8 Milliarden Menschen kommen die meisten ziemlich gut miteinander klar. Niemand kann das wirklich lenken, aber es funktioniert. Und das bedeutet Hoffnung.

Und Meditation? Nicht ein Blick in den Spiegel, sondern aus dem Fenster! (Ayya Khema) Sylvia empfiehlt außerdem mindestens zweimal pro Tag in den Parasympathikus-Modus („Erholungsnerv“) zu kommen: Neue Ideen brauchen Muße, Wohlfühlen mit vertrauten Menschen, langjährigen Freunden und mal einen Apfelstrudel. Und das macht dann auch fähig, mit anderen Menschen, die anders denken, zu reden, zu leben und ihnen wie uns selbst Gutes zu tun. Solange ist alles, was wir über andere sagen bestenfalls eine Arbeitshypothese. Also: „Es kann gut gehen!“

Text: Jinavaro Hopf

Aus dem Programmheft der "Nacht der Weltreligionen", Thalia Theater Hamburg, 26.1.2019

 

Auszug Seite 52 siehe unten: "Die jüngste Gründung im Hause des BGH ist der 'Buddha Talk', ein traditionsübergreifendes Veranstaltungsforum, das der ehemalige buddhistische Mönch Raimund Hopf aus der Waldkloster Tradition initiiert hat. Regelmäßig laden er und sein Team Vertreter aus verschiedenen buddhistischen Schulen ein, um die jeweilige Meditationspraxis vorzustellen oder zu aktuellen Fragen der Lehre Stellung zu beziehen."


Offener Brief an die Deutsche Buddhistische Union

 

Dieser Brief ging am 4. November 2018 als E-Mail an:

 

Geschäftsstelle der DBU und Rat der DBU: 

Gunnar Gantzhorn, Martin Hage, Claus Herboth, Manfred Folkers, Nicole Baden, Felix Baritsch, Nils Clausen, Reiner Frey, Michael Gerhard, Sören Hechler, Dr. habil. Martin Ramstedt

 

 

Offener Brief

 

 

Unterstützung für die DBU bezüglich Mitteilung Nr. 11-2018 (Ole Nydahl)

 

 

 

 

Sehr geehrte Mitglieder des Vorstands und Rates der DBU,

 

ich unterstütze ausdrücklich den neuen Kurs des Rates der DBU, sich offen und kritisch mit Aussagen buddhistischer Lehrer*innen oder Leitfiguren von Mitgliedsgemeinschaften der DBU auseinanderzusetzen und sie zur Stellungnahme und Distanzierung aufzufordern, sofern öffentliche Aussagen dem Grundgesetz der BRD oder den Grundsätzen der DBU widersprechen. Dies umso mehr, wenn getätigte Aussagen dem friedlichen Zusammenleben mit Menschen anderer Religionsgemeinschaften zuwiderlaufen, sie dazu geeignet sind, gesellschaftliche Spaltung und Feindbilder zu befördern, dem Ruf der buddhistischen Lehre, der Deutschen Buddhistischen Union und dem Buddhismus allgemein schaden.

 

Herzlichen Dank an den Rat der DBU für das klare, auf den Punkt gebrachte Schreiben an den Buddhistischen Dachverband Diamantweg (BDD) vom 25.10.2018. Ich stehe sowohl hinter den inhaltlichen Ausführungen des Rates der DBU im Schreiben, als auch hinter der Aufforderung zur Distanzierung und dem Aufzeigen und Umsetzen von Konsequenzen, wenn der BDD nicht bereit ist, sich zu distanzieren. Dass nun also der Rat der DBU solch eine Distanzierung sogar mit der möglichen Konsequenz eines Ausschlusses fordert, ist für mich nicht nur angemessen, sondern ein vernünftiger und begrüßenswerter Schritt, den ich innerlich mittrage. 

 

Ich erkenne sehr wohl an, dass der Diamantweg für viele Menschen ein attraktives buddhistisches Angebot darstellt. Allerdings sehe ich die Gesamtheit der Buddhisten nicht länger in der Lage, dessen ethische und politische Orientierung öffentlich mitzutragen, wenn diese vom Buddhistischen Bekenntnis so sehr abzuweichen drohen. Eine Alternative wäre, ein Austritt des BDD aus eigener Initiative aus der DBU. Der BDD sollte damit seine Zentren und Lehrenden nach außen selbst vertreten und rechtfertigen. Dieser Vorschlag des Vorstandes erscheint mir als das friedlichste Mittel für alle Beteiligten. Ferner ist, so weit ich das aus Einsicht in die Satzung beurteilen kann, auch ein satzungsgemäßer Ausschluss des BDD juristisch möglich.

 

Bezüglich der Stellungnahme des BDD:

 

Meiner Einschätzung nach handelt es sich im Unterschied zu Klarstellungen des BDD bei den von Ole Nydahl wiederholt erfolgenden Äußerungen rechtspopulistischer Art nicht um private Ratschläge an Schüler, sondern um gezielte Meinungsbildung auf öffentlichen Veranstaltungen mit großer Resonanzwirkung. Da ich selbst lange Zeit aktives Mitglied im Diamantweg war, muss ich leider die öffentlich gewordenen Äußerungen im Kern als nichts neues und tatsächlich zutreffend bezeichnen. Ich selbst habe über viele Jahre solche Äußerungen von Ole Nydahl gehört und kenne ihre Wirkung auf seine Schüler*innen. 2015 musste ich leider feststellen, dass dies nun kein internes Problem bleibt, das man nur vor der Außenwelt abdecken muss. Leider hat sich unsere Gesellschaft so entwickelt, dass islamophobe  Äußerungen ein immer größeres Echo erhalten, was mich letztlich dazu führt, mich von dem Diamantweg distanzieren zu müssen.

 

Nach meinem Verständnis der Satzung der DBU hat diese nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Pflicht auf Fehlverhalten in den eigenen Reihen hinzuweisen, wenn diese mit den buddhistischen Grundprinzipien nicht in Einklang stehen. Ich unterstütze daher die DBU darin, Korrekturen zu fordern und Konsequenzen anzukündigen, wenn dies - wie im vorliegenden Fall - nach Überzeugung einer Mehrheit von Menschen geboten scheint.

Entgegen der Interpretation des BDD ist, „was nach buddhistischer Ethik geboten und verboten, vertretbar und unvertretbar ist,“ meiner Auffassung nach nicht die alleinige Sache einer Mitgliedsgemeinschaft und dadurch kein ethischer Freibrief für beliebigen Handlungsspielraum.

 

Somit verstehe ich das derzeitige Vorgehen des Rats der DBU auch als notwendiges Entgegenwirken gegenüber Vorurteilen, Ressentiments, Respektlosigkeit und pauschalen Unwahrheiten über Angehörige einer anderen Religionsgemeinschaft und deren Religion.

 

Ich hoffe sehr, dass dieser Kurs der ethischen Verantwortung sich in der DBU zu einer Erneuerung derselben weiter durchsetzen wird und drücke Ihnen hiermit meinen Respekt für Ihre Arbeit aus. 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Jinavaro Hopf

 

Buddha-Talk Initiative und Suttanta-Gemeinschaft 

in der 

Buddhistischen Gesellschaft Hamburg e.V.

Beisserstr. 23

22337 Hamburg

 

 

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Begleitinfo zur Veranstaltung mit Bhikkhu Bodhi am 27.6.2018:




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